Freitag, 10. Juni 2011

Kambodscha & Thailand

So da wir jetzt aus dem Dschungel wieder zurück sind wird es mal wieder Zeit ein Blogupdate zu schreiben. Zunächst aber noch unsere Erlebnisse in Kambodscha, das wir nach unserer Vietnamdurchquerung durchfahren haben.
Kambodscha ist heute ein von internen und externen Kriegen gezeichnetes Land, das bis in jüngste Zeit unter Diktatur, Verschleppung, Genozid und Unterdrückung gelitten hat. Die Wunden dieser Zeit sind noch an allen Ecken zu sehen. Sie stechen durch verstümmelte Mienenopfer, bettelnde Fünfjährige und pure Armut ins Auge.


Erstaunlicherweise haben wir trotz dieser schwierigen Umstände bisher auf unserer Reise kein freundlicheres Völkchen kennengelernt als die Kambodschaner. Sie sind durch ihre langjährige Isolierung sehr interessiert an unseren Ländern und wir sind überaus schnell mit ihnen in Kontakt gekommen, ohne eine Verkaufsabsicht dahinter zu haben J Die Armut der Landbevölkerung lässt sich daran ablesen, dass viele Privathütten keine Eingangstüren haben, sondern nur einen Vorhang, da es sowieso keine Wertgegenstände gibt. Die Infrastruktur ist abseits der Touristenzentren so gut wie nicht vorhanden. Die Busfahrt von der Grenze nach Vietnam durch die Millionenstadt Phnom Pen nach Siem Reap war mit Abstand die anstrengendste Fahrt in Asien, da wir uns 10 Stunden auf unserem Sitz festhalten mussten, um nicht durch den Bus zu fliegen. Das kam dadurch, dass es keine asphaltierte oder gepflasterte Straße gab, sondern nur einen Lehmhighway und unser Fahrer respektlos mit 120 km/h über die Schlaglochpiste heizte.



In Siem Reap angekommen war die Busfahrt schnell vergessen. Unser Ziel war Angkor Wat mit seinen tausende Jahre alten Tempelanlagen. Der Dschungel um die Stadt Siem Reap herum ist mit gigantischen Tempelanlagen aus verschiedenen Epochen durchzogen und diese sind teilweise extrem gut erhalten.





Ein beeindruckenderes Zeugnis menschlicher Baukunst aus der Antike habe ich bisher nicht gesehen. Die Steinschnitzarbeiten sind noch heute sehr gut erhalten und mit einer Perfektion und Präzision erbaut, die man sich kaum erklären kann. Dabei sind die filigranen Steinschnitzarbeiten, die sich um die hunderte Quadratmeter großen Tempelanlagen herumziehen und die Geschichte des Landes, seiner Götter und Könige erzählen sehr beeindruckend. Abgesehen von der schieren Grösse der Tempel natürlich.



Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich dabei neben den Königen auch die Staatsreligion vom Hinduismus zum Buddhismus und wieder zurück, dies lässt sich an den unterschiedlichen Tempeln nachvollziehen, da einige hunderte Buddha -Figuren enthalten, denen die Köpfe abgeschlagen wurden. Nur wenige Figuren wurden von Mönchen rechtzeitig in Sicherheit gebracht und sind heute wieder an ihrem ehemaligen Platz. Die Schreine der Tempel werden heute auch wieder geweiht und werden wieder von den Unterschiedlichen Religionsgruppen genutzt.



In einem der abgelegenen buddhistischen Tempel haben wir dank unseres großartigen Guides einen buddhistischen Segen für unsere weitere Reise von einem alten Holyman erhalten, damit wir gut und gesund zuhause ankommen. Das sollte dann wohl klappen.


Einer der schönsten während der zwei Tage war der „Movie-Tempel“. Dieser heisst so weil hier einige Filme gedreht wurden, unter anderem Tomb Raider. Der etwa 1200 Jahre alte Tempel ist heute von Goldfarbenen Bäumen überwachsen und wird von diesen sowohl zusammengehalten, als auch zerquetscht.




Wir waren beeindruckt von diesem tollen Land. Danach ging es für uns kurz in unser geliebtes Bangkok und von dort nach Koh Tao. Komischer Weise wirkte Bangkok dieses Mal garnicht mehr so chaotisch, laut und dreckig wie bei unserem Besuch vor einem Jahr.


Koh Tao ist eine kleine Insel im Golf von Thailand und wurde uns von einem Freund aus Neuseeland ans Herz gelegt. Ich muss sagen, eine wirklich schöne Empfehlung, vor allem das Strandresort, das wir mit dem Boot erreichten. 






Dort oben hängen unsere Handtücher vor unserer kleinen Hütte. Hier war dann auch mal "Extrem-Hängematting" angesagt. Das Hausriff, lud schonmal zu einem kleinen Vorgeschmack der Unterwasserwelt ein.


Auf Toh Tao habe ich dann auch meinen „Open-Water“ Tauchschein gemacht. Wo soll Mans sonst lernen, als bei Renate aus Berlin an einem fantastischen Korallenriff. Klasse, Tauchen macht echt Spaß und es wird am Ende der Reise auf Bali und den Gilli Islands bestimmt noch ein bisschen vertieft.




Das hier ist Francis neuer Buddy. Der Resort-Hund ist wahrscheinlich der gemütlichste und freundlichste Hund der Welt.
In kürze gibts noch einen weiteren Bericht über den Rest unseres Roadtrips "Mit dem Bus von Hanoi nach Kuala Lumpur".

Samstag, 14. Mai 2011

Vietnam

Asien ist nicht gleich Asien. Bei den beiden Reisezielen Bali und Vietnam könnten die Gegensätze kaum grösser sein.

Vietnam pendelt zwischen Kommunismus und Turbokapitalismus, Armut und Reichtum sind extrem und stehen im krassen Gegensatz direkt neben den fröhlich-steinzeitlich wirkenden Propagandaplakaten der kommunistischen Partei. Darauf sind nicht selten lustige Bauern und Handwerker im Comicstiel abgebildet, die die rote Fahne schwenken und einen Wahlzettel in der Hand halten. Ja - es gibt Wahlen in Vietnam, hier steht eine Partei auf dem Stimmzettel und diese erhält meist knapp über 100% der Stimmen wie uns ein Guide erklärte.


Daneben lässt sich aber auch die wirtschaftliche Entwicklung deutlich erkennen. Vor 15 Jahren wurde die Planwirtschaft aufgehoben und der Marktwirtschaft Platz gemacht. Es wirkt grade zu als ob jeder Vietnamese einen Roller oder Moped hat und damit 24 Stunden am Tag durch die Gegend fährt. Der Straßenverkehr in der 10 Millionen Metropole Saigon ist das krasseste was ich bisher gesehen habe. Jeder fährt  wie er möchte. Verkehrsregeln existieren nicht und die Hupen scheinen Werksseitig auf Dauerbetrieb geschaltet zu sein. Erstaunlich ist, dass es pro Tag „nur“ 40 Tote im Straßenverkehr gibt, da auch keine Helmpflicht besteht und wenn die Leute einen der üblichen Plastikhelme tragen, ist dieser eher als Modeaccessoire anzusehen.


Also wirtschaftlich geht es in Vietnam richtig rund und es sieht so aus, als ob in den großen Städten recht viele davon profitieren. Einige mehr andere weniger. So haben wir selten so viele nagelneue Mercedes S-Kassen, Lexus usw. wie in CBD-Saigon gesehen.
Uns hat natürlich nicht nur die aktuelle Situation in Vietnam interessiert, sondern auch dessen Geschichte. Von Saigon ist es ein Tagesausflug nach Cu Chi, einem der wenigen heute zugänglichen Tunnelsysteme der Vietcong. Dies ist für Besucher nett aufgearbeitet und man kann sich in der Region um die Tunnels der geballten Propagandapower aussetzen. Es scheint fast so als hätten die Vietcong die Amerikaner ausschließlich mit Bambusfallen und deren eigenen Blindgängern bekämpft… Nun ja, die Tunnelsysteme waren allerdings extrem krass und ich habe das erste Mal wirklich Klaustrophobie gehabt. Kaum vorstellbar, dass es Menschen Tage lang in diesen Minitunneln ausgehalten haben, während von oben Bomben auf sie niedergingen. Die Tunnel in dieser Region waren früher etwa 220km lang, wir konnten aber nur ca. 100 Meter durch robben.


Oben ist ein „Spider-Trap“ Eingang zu dem Tunnelsystem.


Ein anderer Einstieg zu den Tunneln, die 6 bis 12 Meter tief unter der Erde verlaufen.

Bambusfallen der Vietcong - ziemlich fiese Dinger.

Ach ja, auf der „National Defence Sport Shooting Range“  stand auch noch AK47 schießen auf dem Tagesprogramm bei Cu Chi.

Nach diesem interessanten Ausflug und noch einigen weiteren Museen ging es dann mit dem Flieger in den Norden nach Hanoi. Die 4,5 millionen Einwohner von Hanoi sind noch ein bisschen stärker kommunistisch geprägt als die Mitbürger in Saigon. Alles wirkt etwas altmodischer und enger, es gibt kaum Wolkenkratzer und die Einkaufsstraßen sind weit von westlichen Standards entfernt. Allerdings hat auch das seinen Charme.


Eine typische Mittagsküche in Hanoi – nichts für sensible westliche Mägen.

So chillen die Hanoier abends vor ihren Stammkneipen.

Eine Abendveranstaltung auf dem Nachtmarkt.

Auf dem Nachtmarkt kamen wir uns vor wie Aliens, viele Leute schienen noch nie so große Menschen gesehen zu haben. Nebenbei erwähnt waren wir sowieso ein gerne aufgenommenes Fotomotiv für die Einheimischen - Europäer kommen anscheinend noch nicht so oft in den Norden.

Als nächstes stand eine drei tägige Kreuzfahrt in der Ha Long Bucht auf unserem Programm. Diese Bucht ist riesig und einmalig schön. Zunächst haben wir eine Tropfsteinhöhle besucht und nach dem Kanufahren und Karaoke singen eine Nacht auf dem Schiff verbracht.


Das war unser Schiff.

Eine Händlerin, die uns vom Wasser aus Bier verkauft hat als wir auf unserem Balkon vor der Kabine saßen.



Am nächsten Tag ging es am Vormittag auf eine kleine Insel auf der wir mit unserem Guide eine Fahrradtour durch einen Nationalpark gemacht haben.


Die zweite Nacht haben wir in einem Ressort auf der abgelegenen Insel „Monkey Island“ verbracht.

Das ist unsere Hütte gewesen.

Und hier der Ausblick, einfach herrlich! Abends gab es dann ein großes Lagerfeuer und Grillen am Strand.

Das ist eines der schwimmenden Dörfer die es in vielen der kleinen Buchten gibt. Die Menschen leben hier meist vom Fischfang oder der Muschelzucht.


Nach diesem schönen Ausflug ging es dann mit dem Nachtbus auf die Fahrt von Hanoi nach Saigon. Diese Strecke haben wir in 1,5 Wochen zurückgelegt und in Zentralvietnam Zwischenstopps in Nimh Binh, Hué, Hoi An und Nah Trang gemacht.

Nimh Binh haben wir hauptsächlich wegen eines nahegelegenen Nationalparks angefahren. Die Stadt ist wirklich nicht besonders schön. Der Cuc Phong Nationalpark ist besonders Artenreich, hat eine Affen und Schildkröten Aufzuchtstation und zu unserer Reisezeit eine der höchsten Schmetterlingsdichten weltweit. Die Regenwälder sind naturbelassen und man kann schöne Bergwandertouren machen. Wir haben all das auch mal getestet.




Bei der Weiterfahrt hatten wir auf der 12 Stundenfahrt nach Hué zwei Pannen mit unserem Bus, zunächst überhitzte der Motor und 4 Stunden später platzte dann ein Reifen. Naja wir haben es überlebt.

Hué war über Jahrhunderte der Köngssitz und ist gespickt mit Tempeln, Pagoden und Grabstätten der Könige, hinzu kommt die purpurnere Stadt, in der die Könige mit ihren Frauen und den bis zu 500 Konkubinen gelebt haben. 


Die Tempel sehen meist so aus wie eines dieser Bilder, je nachdem ob sie von American Express, FedEx oder sonst einem Konzern einen gesponserten Wiederaufbau erhalten haben oder halt nicht.

Abends gab es dann auf einem Volksfest interessante Sachen zu essen, an diesem Stand schien es etwas besonders gutes zu geben. Auch wenn der Geruch das nicht immer glauben lassen wollte.
Ach ja, Cyclo fahren gehört natürlich in Vietnam auch dazu. Hier wurden wir von dem freundlichen Fahrer zur DMZ-Bar (Demilitarized Zone) gefahren.

Danach ging es noch nach Na Trang, das als Urlaubsort der Vietnamesen bekannt ist und uns ein bisschen an die Costa Brava erinnert hat. Von dort aus ging es dann wieder nach Saigon und weiter nach Kamboscha.